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18 Okt 11 Warum immer diese Vorurteile gegenüber Afrika?

Frage von Deola: Warum immer diese Vorurteile gegenüber Afrika?
Meiner Meinung nach wird Afrika viel zu sehr mit Armut, Hunger und Kriminalität verbunden. Ich selber bin halb deutsch, halb nigerianisch und habe Nigeria in den Weihnachtsferien zum ersten Mal besucht.
Natürlich ist nicht abzustreiten, dass es dort viel Armut gibt, doch ich habe auch die Seite des Reichtums gesehen. Ich war zum Beispiel in Lagos, dort gab es riesige Villen mit Pools und allem möglichem Hightechkram. Auch auf den Straßen sah man fast nur teure Autos, fast jedes zweite Auto war ein großer Neuwagen und das ist nicht übertrieben. Es gab auch riesige Shoppingkomplexe, die regelrecht überfüllt waren, trotz der unverschämt teuren Preise (z.B. 100g Käse: 5€) , und die Menschen kauften Sachen.

Warum wird in den Medien nicht auch einmal von dieser Seite berichtet? Es gibt fast nur Berichte die das Bild Afrikas verschlechtern, was man vor allem an der WM sehen konnte. Viele Menschen hatten Angst nach Südafrika zu reisen, aufgrund der Kriminalität. Und man hat totzdem nirgendwo gehört das ein Weißer getötet wurde. Auch während meines Aufenthalts in Nigeria gab es keinen Diebstahl oder Überfall oder auch nur eine Andeutung ( meine Mutter ist Weiße), im Gegenteil, die Menschen waren freundlich und hilfsbereit. Natürlich gibt es dort höhere Kriminalitätsraten, aber das heißt noch lange nicht, dass man dort auf der Straße sofort erschossen wird.

Selbst mein Vater hat an seiner Arbeit mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Zum Beispiel wird er immer als ungebildet eingestuft, da die Menschen denken er hätte in Afrika nicht die Gelegenheit gehabt zur Schule zu gehen, obwohl er in einem Internat war und Ingenieurswesen studiert hat.

Warum muss das sein? Es kann doch nicht sein, dass Menschen wie mein Vater sich durch diese Vorurteile minder wert fühlen..
.Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass ich nicht abstreite, dass Afrika ein armer Kontinent ist, doch es gibt auch eine andere Seite.
@ blauclever:

Genau das ist das was ich meine, ich war ein paar Tage bevor das passiert ist dort und meine Familie lebt immer noch (wir waren nicht nur in Lagos).
Diese Verallgemeinerung und das einfältige Bild Afrikas, finde ich das Schlimme… Wenn es in Holland irgendwelche Ausschreitungen gibt, heißt das noch lange nicht, dass wir in Lebensgefahr schweben.
@ quisa:

Danke, für den tollen Link ;)

Beste Antwort:

Answer by groldi
Wie ich über Afrika denke:

Es ist ein geschundener Kontinent, der von den weissen ausgeplündert wurde.
Die weissen haben zudem den Afrikanern ihre “Zivilisation” übergestülpt, damit haben die Afrikaner heute noch zu kämpfen.
Diese “Zivilisation” dient nur den weissen damit sie den Kontinent auch heute noch besser ausplündern können. Mit Naturvölkern, die vollständig autark sind, kann man kein Geld verdienen.
Ein weiteres “Geschenk” an die Afrikaner waren schwache Staatengebilde, wo Bürgerkriege herrschen und wohin man gut Waffen verkaufen kann.

Vielleicht wären die Afrikaner glücklicher wenn sie so leben könnten wie vor der Kolonialzeit, ohne Geld, ohne Schule, ohne Uhrzeit. Das hat ja offensichtlich viele 1000de Jahre gut funktioniert.

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Kommentare

  1. |

    Hallo Deola,

    deine Frage trifft es wirklich auf den Punkt. Es stimmt, dass das Afrikabild in Europa vollkommen einseitig ist. Ein wichtiger Grund hierin, dass schlechte Nachrichten sich generell besser verkaufen lassen als gute Nachrichten! So ist in unseren TV-Nachrichten beispielsweise nur sehr wenig Zeit, wenn überhaupt, irgendetwas über Afrika zu berichten. Da setzen sich dann natürlich die schlechten Nachrichten durch und es wird über Hungersnöte, Bürgerkriege oder HIV berichtet, nicht aber über die positiven Entwicklungen, die es in ohne Zweifel in großer Zahl in Afrika gibt. Ansonsten interessieren sich die meisten Menschen hier leider nicht für diesen faszinierenden Kontinent. Es gibt teils Berichte, z. B. auf Arte, die auch über die positiven Entwicklungen berichten, aber aufgrund der mangelnden Einschaltquoten werden diese leider zu Zeiten gesendet, in denen kaum jemand fern sieht. Dieses einseitige Ausrichtung auf Negativmeldungen hat aber fatale Auswirkungen für Afrika. Hierdurch wird nämlich das Bild vermittelt, Afrika sei lediglich ein Hort des Elends und des Chaos, voll von Menschen, die sich nicht selbst helfen könnten. Das führt dann schließlich dazu, dass Afrika weltweit als unattraktiver Wirtschaftsstandort gitl und sich kaum jemand traut, dort zu investieren (außer jenen europäischen Konzernen, die dort Bodenschätze ausbeuten).
    Es ist wirklich schade, denn dieses Bild von Afrika ist wirklich total verzerrt, denn Afrika ist voll von Menschen, die sich mit unglaublicher Kreativität, großem Fleiß und einem eisernen Willen selbst helfen und sogar aus größter Armut Firmen schaffen, etc.. Zudem gibt es wahnsinnig viele Afrikanerinnen und Afrikaner, die sich ehrenamtlich in ihren Ländern engagieren, u die Armut abzumildern. Außerdem gibt es eine Masse von Staaten, die positive Entwicklungen machen. Ganz besonders zu erwähnen sind hier beispielsweise Mali, Ghana, Mosambik, Senegal, Botswana, natürlich Südafrika u.v.m

    Hoffen wir, dass die großartige Art und Weise, wie die Südafrikaner die WM organisiert haben, eine andere, differenziertere Wahrnehmung von Afrika herbeiführen wird.
    Ich habe selbst bei eine zeitland bei einer NGO in Südafrika mitgearbeitet. Dort arbeiteten Menschern vom ganzen Kontinent und ich kann dir nur zustimmen: Sie haben nicht in Europa, sondern in Afrika studiert und waren genauso qualifiziert und gebildet wie Europäer. Es ist letztlich das typische Vorurteil vieler Europäer, gebildete Menschen wie deinen Vater als ungebildet einzustufen. Häufig werden solche Argumente auch sicherlich benutzt, um jemanden als potenzielle Konkurrenz um einen Job, Posten etc. auszuschalten, weil andere Argumente fehlen. Sehr schade sowas! Bei meinen Reisen und meiner Arbeit im südlichen Afrika habe ich natürlich auch viel Armut gesehen, aber was sich mir am meisten einprägte, war eher die große Freundlichkeit und Fröhlichkeit der Menschen. Kommt man dann nach Europa zurück, wirkt hierzu im Vergleich doch alles sehr kühl und distanziert. In Afrika ist es normal, auf der Straße einfach mal Leute anzulächeln und mit ihnen ein Schwätzchen zu halten. Ok, das hängt wahrscheinlich auch damit zusammen, dass ich aufgrund meiner weißen Hautfarbe etwas mehr auffalle und die Leute daher interessiert sind, etwas von einem zu erfahren. Trotz der Tatsache, dass man etwas auffällt ist (in den Gegend, in denen man nicht an den Anblick von Weißen gewöhnt ist), habe ich mich meist nie unwohl gefühlt und die Leute gingen einfach auf mich zu und zeigten Interesse. Ich denke, als dunkelhäutiger Mensch in der deutschen Provinz, ist die Situation ganz anders und nur die wenigsten gehen auf einen zu oder ähnliches.

    Wie du sagst, sind mir in afrikanischen Großstädten ebenfalls die vielen riesigen Shoppingcentres u. großen Autos aufgefallen. In Teilen wirkt das eher moderner als in vielen Großstädten in Deutschlands. Dennoch ist dieser extreme Gegensatz zwischen dieser Modernität auf der einen Seite und der großen Armut auf der anderen Seite, auffällig.

    Dennoch, ich bin sehr zuversichtlich, was die Entwicklung Afrikas angeht und glaube, dass sich auch in Europa das Afrikabild bald wandeln wird. Afrika ist schließlich der am schnellsten wachsende Markt und wenn man sieht, was, trotz der immer noch großen Probleme, alles für die Armutsbekämpfung oder auch die Bekämpfung von HIV getan wird, habe ich keinen Zweifel, dass in Afrika die Zukunft liegt. Es wird noch eine Zeit dauern, aber Europa und Nordamerika haben ihren Höhepunkt erreicht und sind alternde Gesellschaften, während in Afrika, wie auch in Asien oder Lateinamerika eine großartige Aufbruchstimmung herrscht.

    Nigeria klingt übrigens wirklich spannend und Lagos muss eine faszinierende Stadt sein, will ich unbedingt mal hin.
    Übrigens wird auch einiges getan, um das Afrikabild in Deutschland zu verändern. Ein Beispiel hierfür ist der Verein “africa positive e. V.” hier der Link: http://www.africa-positive.de/

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  2. |

    Ich stimm dir total zu, ich finde es auch schlimm, wie Afrika in den Medien dargestellt wird. Es ist aber so, dass es sehr einfach ist, in Vorurteilen und Klischees zu denken. So kann man auch die Vorurteile gegenüber deinem Vater erklären: Die Menschen kennen nur ihr Leben und ihr Wissen über andere Kulturen eignen sie sich über die Medien an. In den Medien wird sehr einseitig über Armut in Afrika und mangelnde Bildung berichtet. Die wenigsten Menschen kennen Afrikaner persönlich, noch weniger waren tatsächlich in Afrika und können sich ihre Meinung drüber bilden.

    Ich hab im Januar einen Artikel gelesen, in dem eine Journalistin genau das beklagt hat, wovon du schreibst. Wirklich verstanden habe ich sie erst im April, als ich selbst in Kenia war. Natürlich gibt es die Probleme, die immer in den Medien genannt werden, die du auch angesprochen hast.
    Aber beispielsweise ist nicht jedes Kind unterernährt. Ich habe Kinder im Kindergarten- und Vorschulalter getroffen, die einfach so gespielt haben mit den Dingen, die sie finden (Steine, Stöcke, Seile, eine Bank etc). Sie hatten immer Gefährten zum Spielen, konnten sich selbst aussuchen, was sie machen wollten. Vielleicht würden Europäer jetzt sagen, dass sie arm sind, weil sie kein Spielzeug haben, aber sie vermissen es ja nicht, weil sie nicht wissen, welchen Luxus die Kinder in Europa haben. Aber welches Kind ist denn jetzt glücklicher? Das deutsche, das von einem Termin zum anderen hetzt und neben Vorschule auch noch Kinderturnen, Musikschule und Englischunterricht hat oder das afrikanische?

    Es gibt so viele Aspekte, die man vergisst oder ignoriert, wenn man über Afrika spricht. Die Menschen wissen noch, was wahre Gastfreundschaft ist. Wir waren z. B. bei einer Frau zu Gast, die wirklich nichts mehr hatte, ihre Kinder waren tot und sie war aidskrank, wollte aber trotzdem ihren Porridge mit uns teilen. Ich habe mich mehr als einmal für mein Land, das am liebsten alle Asylbewerber abschieben will, geschämt.

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  3. |

    Nichts gegen Afrika …

    Dass du dein Heimatland hoch schätzst, ehrt dich.

    Aber warst du zufällig auch in den Elendsvierteln von Lagos?
    Dass im Zentrum etliche Reiche, die auf Kosten der großen armen Bevölkerung ihren immensen Reichtum erworben haben, diesen genießen, ist wohl klar.

    Lies bitte auch noch das hier. Es kommt von offizieller deutscher Seite:
    “Von Reisen in die Bundesstaaten Delta, Bayelsa, Rivers, Abia und Akwa Ibom und die vorgelagerten Küstengewässer wird abgeraten.

    Aufgrund von akuten Spannungen nach kürzlichen Unruhen im zentralnigerianischen Jos und Umgebung (nordwestlicher Teil des Bundesstaates Plateau) wird bis auf Weiteres von Reisen nach Jos sowie ins angrenzende Umland abgeraten.

    Reisende sollten sich vor Reisen außerhalb von Abuja und Lagos stets in nigerianischen und internationalen Medien über die aktuelle Sicherheitslage informieren.

    In den Ölfördergebieten in der Region des Niger Deltas, das die nigerianischen Bundesstaaten Delta, Bayelsa, Rivers und Akwa Ibom umfasst, kam es seit Jahren immer wieder zu Kämpfen zwischen paramilitärisch organisierten Banden und Sicherheitskräften, aber auch von bewaffneten Gruppen untereinander.

    Dadurch bestand ein hohes Anschlagsrisiko und ein Entführungsrisiko gerade für westliche Ausländer. Seit Anfang Oktober 2009 hat sich die Sicherheitslage beruhigt, da die Mehrzahl der bewaffneten Gruppen ein Amnestieangebot der Regierung angenommen und ihre Waffen abgegeben hat. Angesichts der tiefgreifenden Spannungen in der Region kann zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht verlässlich gesagt werden dass diese Beruhigung der Lage dauerhaft ist. An vielen Orten des Nigerdeltas gelten nach wie vor verschärfte Sicherheitsvorkehrungen von Polizei und Militär.

    Im Bundesstaat Abia besteht derzeit ein besonders hohes Risiko krimineller Entführungen auch von Ausländern.

    Ein Aufenthalt in der Region sollte aus diesem Grund weiterhin nur dann erwogen werden, wenn umfassende Sicherheitseinrichtungen einer Organisation (z.B. Unternehmen) in Anspruch genommen werden können (gesicherte Transporte, gesicherte Unterkünfte).

    Von der besonderen Situation im Nigerdelta abgesehen, können in Nigeria , meist kaum vorhersehbar, in allen Regionen lokale Konflikte zwischen dortigen Bevölkerungsgruppen in Form von gewaltsamen Zusammenstößen mit Todesopfern aufbrechen; zuletzt waren im Januar und Anfang März 2010 schwere Ausschreitungen zwischen ethnischen Gruppen in und um die zentralnigerianische Stadt Jos zu verzeichnen. Ursachen und Anlässe der Konflikte sind politischer (z.B. im Zusammenhang mit Wahlen), religiöser und/oder ethnischer Art. Meist sind diese Auseinandersetzungen von nur kurzer Dauer (wenige Tage) und örtlich begrenzt (meist nur einzelne Orte, in größeren Städten nur einzelne Stadtteile).

    In den letzten Monaten ist eine deutliche Zunahme von kriminellen Entführungen vor allem in den südöstlichen Bundesstaaten Nigerias zu verzeichnen. Auch Ausländer sind betroffen.

    Autofahrten, insbesondere über Land, sollten nur mit ortskundigen und zuverlässigen, möglichst persönlich bekannten und einheimischen Personen durchgeführt werden, vorzugsweise im Konvoi. Fahrten bei Dunkelheit sollten in jedem Fall wegen erhöhter Überfallgefahr sowie der teils katastrophalen Straßenzustände vermieden werden. In weiten Regionen muss auch bei Tag mit Überfällen gerechnet werden. Von Busreisen im Land wird abgeraten.

    Kriminalität

    Die Kriminalitätsrate in Nigeria ist hoch. Insbesondere in der Wirtschaftsmetropole Lagos kommt es immer wieder zu Serien bewaffneter Überfälle, auch in den von Ausländern bevorzugten Stadtgebieten Victoria Island, Ikoyi, Lekki und Ikeja.

    Zum Schutz vor Diebstahl und Raub wird empfohlen, Barmittel, Fotoausrüstung und andere Wertgegenstände vor Blicken Dritter zu schützen, auf das Tragen von Schmuck vor allem auf öffentlichen Plätzen/Märkten zu verzichten und keine Kreditkarten einzusetzen. Für den Fall eines bewaffneten Raubüberfalls wird dringend geraten, keinen Widerstand zu leisten und Wertgegenstände herauszugeben.

    Von Reisen nach Nigeria aufgrund von betrügerischen Geschäfts- und sonstigen Kontakten wird dringend abgeraten. Beachten Sie hierzu unbedingt die Hinweise der Botschaft Abuja und des Generalkonsulats Lagos zum sogenannten Vorauszahlungsbetrug auf der gemeinsamen Internetseite von Botschaft und Generalkonsulat im Kapitel „Informationen der Rechts- und Konsularabteilung“ unter

    http://www.abuja.diplo.de/Vertretung/abuja/de/04/419.html

    Aufgrund mangelhafter Infrastruktur und hoher Kriminalitätsrate ist Nigeria kein Reiseland.

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  4. |

    ich stimme alle zu, dass Afrika durch Europäern Armut wurde. was mich aber ein bisschen erleichtert, ist das Europa langsam in ein paar Jahren selber in Armut leben würde. man sieht schon millionen ohne Jobs, di in Misere leben…….

    also Afrika Kopf hoch.

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  5. |

    Die meisten Deutschen (inkl. mir) haben über den Kontinent keinerlei wissen, da sie noch nie in Schwarzafrika (denn darum geht es ja) gewesen sind!
    Insofern besteht das “Wissen” über Schwarzafrika aus einem Gemantsche aus Vorurteilen, dümmlichen Filmchen und einem Bild von vor 100 Jahren!
    Dieses Unwissen gilt aber bei den meisten für alle Gegenden dieser Welt. Die Deutschen sind zwar Reiseweltmeister, aber es langt meist nur bis zu den Ausläufern der Bildzeitung auf Malle und irgendwelchen all-inclusive-Bumsburgen in der DomRep.
    Also keine Panik…

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